Graduiertenkolleg Naumburger Dom

© Gerhard Weiss

Der Beitrag der Bauforschung im Naumburger Graduiertenkolleg

Auf dem Fachgebiet Bauforschung/Bauarchäologie werden sich zwei Dissertationsvorhaben an dem Forschungsprojekt zum Westchor des Naumburger Doms beteiligen. Die wissenschaftlichen Arbeiten erfolgen unter Leitung von Prof. Dr.-Ing. Manfred Schuller, Lehrstuhlinhaber für Baugeschichte, Historische Bauforschung und Denkmalpflege der Technischen Universität München. Auf die Stifterfiguren des Naumburger Meisters und deren Rahmenarchitektur sowie auf den Lettner im Westchor konzentrieren sich die bauforscherischen Untersuchungen. Ziel ist eine Gesamtschau von Skulptur und Architektur in ihrem Wechselspiel.

Im Mittelpunkt der ersten Dissertation steht die zentrale Frage, wann die Skulpturen in die Architektur eingesetzt wurden. Auch der technische Prozess von der Steinauswahl bis zum Versatz des Werkstücks in der Architektur des Westchores interessiert die Forscher. Wie sah der im Steinbruch gewählte Steinblock aus, aus dem die jeweiligen Figuren gehauen wurden? Mit welchen Werkzeugen und Techniken bearbeitete und ergänzte der Meister die Rohlinge? Um den technischen Zustand und das Innenleben der Skulpturen und Reliefs zu klären, ist die enge Zusammenarbeit mit den Bereichen Kunsttechnologie, Konservierungswissenschaften und Kunstgeschichte notwendig. Das detaillierte Aufmass einzelner ausgewählter Figuren dient wiederum als Grundlage des restauratorischen Teilprojekts. Der Einsatz innovativer Technologien wie die Methode des High-Tech-Scans wird ergänzt mit dem unerlässlichen Handaufmass, um in direkter Nähe zum Objekt zu arbeiten. Diese Mischung wird den Forschern sehr qualitätvolle Ergebnisse und zugleich Effizienz bei der Bestandsaufnahme ermöglichen. 

Die zweite Dissertation widmet sich Fragen zur Baugeschichte, Baugestalt und Bautechnik des Westchorlettners. Ungeklärt sind bis heute der Umfang und die Auswirkungen des Brandes von 1532. Was erfolgte an Reparaturen am Lettner, wie sahen einst die historischen Zugänge und deren Verschließbarkeit aus? Wie und in welchem zeitlichen Ablauf wurde der Lettner in die Chorarchitektur eingefügt? Von der Zusammenarbeit mit den Naturwissenschaften verspricht sich die Bauforschung weiterführende Erkenntnisse, etwa zur Klärung der in Naumburg mit besonderer Sorgfalt ausgewählten Materialien.

Die Ergebnisse der Bauforschung werden dicht vernetzt mit Fragestellungen der Restauratoren und der Kunsthistoriker, was im Gesamtverbund eine neue Qualität in der Untersuchung höchstrangiger Architektur und Skulptur ergeben müsste.

© Gerhard Weiss