Der Tempietto Bramantes bei S. Pietro in Montorio, Rom

© Lehrstuhl für Baugeschichte, Historische Bauforschung und Denkmalpflege

Das kleine dorische Rundtempelchen im Klosterhof von S.Pietro in Montorio in Rom wurde von dem führenden Architekten der Hochrenaissance, Donato Bramante, über der vermeintlichen Kreuzigungsstelle Petri errichtet und zählt zu den Inkunabeln der Architekturgeschichte. Er war schon kurz nach seiner Errichtung so bekannt, dass ihn die berühmtesten Architekten der Zeit in eigenhändigen Bauaufnahmen studierten und sowohl Serlio wie Palladio ihn als Beispiel für gute Baukunst neben die Werke der Antike in ihren Traktaten stellten. So bekannt der Bau ist, die umfangreiche kunst- und architekturgeschichtliche Forschung stützt sich bis heute auf zwar für ihre Zeit hervorragende, aber idealisierende Bauaufnahmen aus der Mitte des 19. Jhs.. In Zusammenarbeit mit einem der führenden Erforscher römischer Renaissancearchitektur, Luitgart Frommel, dem ehemaligen Direktor des kunsthistorischen Max Planck-Instituts Bibliotheca Hertziana in Rom haben wir 1995 mit Hilfe einer Sachbeihilfe der DFG und Unterstützung der Max Planck-Gesellschaft und der großzügigen Erlaubnis des Spanischen Staates, dem Eigentümer des Baus, den Tempietto mit einem kleinen Arbeitsteam vollständig neu vermessen und zeichnen können. Die komplette Aufnahme des Baus konnte innerhalb von zwei Monaten abgeschlossen werden. In unseren Händen liegt die weitere Bauuntersuchung, L. Frommel wird auf der Basis unserer Bauaufnahme die Proportionierung des Bauwerks im Vergleich zu anderen Bauten Bramantes unter die Lupe nehmen. An kleinen Indizien waren bislang unbekannte, durchaus bedeutsame Planänderungen und frühe Umbaumaßnahmen nachweisbar, die die ursprüngliche Bauabsicht verdeutlichen werden. Bislang noch nie untersucht wurde die Bautechnik, die überraschende Unsicherheiten und Ungenauigkeiten zeigt. Bramante war anscheinend ein glänzender Architekt und Entwerfer, für die Bauüberwachung am Tempietto scheint er dagegen keine Zeit gehabt zu haben, seine Bauarbeiter aber mit dem ersten dorischen Formenkanon seit der Antike überfordert gewesen zu sein. Da bislang moderne wissenschaftliche Bauforschung an Renaissancearchitekturen kaum durchgeführt wurde, kommt dem Projekt Modellcharakter zu.

Finanzierung:
Deutsche Forschungsgemeinschaft
Max Planck-Gesellschaft
Forschungsförderung der Universität Bamberg

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